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Die Zahl der
Geschichten und Legenden, die sich um den Ostbahn Kurti ranken, ist wohl heute nicht mehr
feststellbar, aber jeder Chefhead und Kurtologe kennt sicher Dutzende davon. Heute
wollen wir einmal bei den Fakten bleiben. Im März 1983 tauchten in Simmering (und
angrenzenden Bezirken) Plakate auf:
OSTBAHN KURTI
& DIE CHEFPARTIE - Szene Wien - 1. April 1983.
Die Menschen, die
sich dieses Ereignis nicht entlassen wollten und zur Szene Wien in die Hauffgasse
pilgerten, fanden aber keinen Einlass. An der Tür prangte ein "Ausverkauft!"-Schild.
Drinnen im Saal waren drei Personen: Der Michi, der einen Cassettenrecorder bediente und
den Saal in voller Lautstärke mit der Dr. Feelgood-LP "As It Happens"
beschallte; Fritz Aumayr, der damalige Chef der Szene Wien; und Günter Brödl, der
Initiator des Spektakels und Erfinder des Ostbahn Kurti. |
| Die beiden erstgenannten waren letzten Dienstag gewissermaßen als
"Zeitzeugen" anwesend (Michael Tichlar, inzwischen vom Bediener des
Cassettenrecorders zum Stage Manager und Monitormischer aufgestiegen, und Fritz Aumayr als
Zuseher). Und auch Günter Brödl hätte mit diesem Erinnerungskonzert sicher seine helle
Freude gehabt. Diejenigen, die im Vorfeld etwas skeptisch waren, wurden eines Besseren
belehrt: Die Reihen waren dicht besetzt, als Othmar Loschy die Bühne betrat und zunächst
einige Scheiben von Ostbahn-Nachahmern spielte. Einige der Fans waren für diese
Veranstaltung extra von weit her angereist (Favoriten, Ebenfurt): Ein gewisser Herr Heinz
sogar angeblich aus Berlin, gab aber damit nur den Gerüchten neue Nahrung, dass er in
Wirklichkeit in der Nähe der Reindorfgasse wohnt, seine monatlichen Ostbahn-Sendungen in
ORF-Studios aufzeichnet und per Post zum OKB nach Berlin schickt. |
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Nach
ca. einer halben Stunde betraten THE HARDCORE TROUBADOURS
(Georg und Erwin Siegl) die Bühne und schlugen mit deutsch/englisch interpretierten Songs
die Brücke zwischen den Nachahmern und dem Kurtl. Nach diesem akustischen Teil wurde es
elektrisch: Harry Pierron hatte sein Orgeltrio ADRETTI mit
Miki Liebermann verstärkt und ließ den Geist der späten 60er- und frühen 70er-Jahre
mit Instrumentals im Stil von Brian Auger und Booker T. & The MG's wieder aufleben.
Mit Meena Cryle und Bobby Slivovski kamen noch zwei Gesangsvirtuosen dazu und schon
erklangen auch die ersten Ostbahn-Nachahmer-Songs. Nach etwas mehr als einer Stunde gab es
eine Umbaupause.
Die war aber kurz und dank der ersten
Ansagen von KARL HORAK auch kurzweilig. Der legte dann auch
voll los: "Politician" von Cream ertönte (das man ja früher auch bei einigen
Ostbahn-Konzerten gehört hatte). Die drauffolgende Ansage, dass er nicht nur Englisch
singen werde, löste den ersten Begeisterungssturm beim Publikum aus. Dann gabs "I
brauch kan Dokta", "Kilo" usw. und so fort. Die (etwas überflüssige)
Frage "Is a laut gnua?" kann man mit einem eindeutigen JA! beantworten: Der Leo
hatte als Band seine langjährigen Wegbegleiter Robert Baumgartner am Schlagzeug, Simon
Wildner und Jeff Rosenstein an den E-Gitarren mitgebracht und die drehten voll auf! Den
Auftritt widmete er Günter Brödl (uns sonst niemandem) und verwehrte sich gegen die
allgemein immer wieder geäußerten Ideen, dass selbiger von Wolke 9 zuschaut: "Der
Günter is do, weil wir seine Lieder kennen und weil er in unseren Herzen is!"
Mit Sohn Leo Luca an der dritten Gitarre und Claudia
Jusits (Gesang) zeigte er aber auch wie Horak und der Favorit'n'Blues im Jahr 2008
klingen. Dass dann noch weitere Ostbahn-Klassiker folgten, war nur logisch und zeigte,
dass Karl Horak auch nach 25 Jahren die volle Berechtigung hat, die alten von Günter
Brödl getexteten Hadern zu singen. Nach ca. vier Stunden ging die Veranstaltung knapp vor
Mitternacht zu Ende.
Besonderen Dank muss man Othmar Loschy aussprechen, der das alles organisiert und auf
die Bühne gestellt hat. Wie oft hat man schon die Gelegenheit die alten Zeiten aufleben
zu lassen und an einem Abend vier Ostbahn-Musiker zwar nicht gemeinsam, aber doch
auf einer Bühne - zu erleben. |
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| Der Kurtl war übrigens bei diesem Konzert nicht anwesend was aber 100%ig
Sinn macht: Schließlich war er ja vor 25 Jahren auch nicht dabei! Allerdings (und es
ist dem Schreiber dieser Zeilen voll bewusst, dass er hier stark religiösen Boden
betritt): Dort wo sich mindestens zwei Menschen im Namen der Kurtologie treffen, dort ist er
auch dabei. Und so war es auch am Dienstag. |